Web Design
image001c

Geschichtslehrer/innen
Forum

Moench

Thema: Migration in der Geschichte (1)

.Migration 1: Wir sind alle Einwanderer (auf dieser Seite)

Migration 2: Die Völkerwanderung (4./5. Jh.) (auf der nächsten Seite)

..im Aufbau - weiteres folgt.

 

Migration ist ein Dauerthema der Geschichte. Wir alle in Europa sind Einwanderer, seit die ersten Steinzeitmenschen aus Afrika entweder an der östlichen Mittelmeerküste entlang und über den Balkan oder aber, wofür es auch Anzeichen gibt, über das Meer bei Gibraltar nach Europa vordrangen. Klimatische Veränderungen, die Suche nach besseren Lebensbedingungen, Konflikt und Kriege, Flucht und Vertreibung waren und sind immer wieder, wenn auch immer wieder anders, die Ursachen dafür und oft genug erwuchsen daraus auch neue Konflikte.

Dies ist die Einleitung zur Seite über Migration in der Geschichte auf der Website des Verbandes der Hessischen Geschichtslehrerinnen und -lehrer. Dort wird dann auf die sehr verdienstvolle, ausführliche Liste von Internetlinks von Daniel Bernsen verwiesen, außerdem gibt es auf der VHGLL-Seite weitere LInks und bibliographische Hinweise zum Thema und seiner Behandlung im Unterricht.

Hier sollen im Folgenden einige wichtige Beispiele und Themen der Migrationsgeschichte aufgegriffen und Hinweise zum Stand der fachwissenschaftlichen Forschung gegeben werden, die auch für unterrichtliche Zwecke relevant bzw. geeignet sind.

 

1. Wir sind alle Einwanderer

Alle Europäer sind Nachkommen von Einwanderern. Die letzte große Einwanderungswelle, die für die noch sprachlich-kulturelle für den größten Teils der heutigen europäischen Bevölkerung relevant war bzw. ist, war die Einwanderung eines Volkes, das die Sprachwissenschaftler aufgrund sprachlicher Verwandtschaft rekonstruierten und von den beiden am weitesten entfernten Verzweifungen her Indo-Europäer nannten, in Deutschland wurde daraus gerne Indogermanen gemacht. Sprachforscher des 18. Jh.s erkannten eine sprachliche Verwandtschaft, festgemacht am Kern von Familienbezeichnungen (Vater, Mutter...), Zahlen sowie einer Reihe anderer wichtiger Vokabeln und Namen (Götter), zwischen keltischen, germanischen, baltischen, slawischen, italischen und griechischen  Völkern, aber auch den Armeniern, Persern und Indern (Hindu) (>Proto-Indoeuropäer / >indogermanische Ursprache). In Indien sind uns diese Einwanderer aus den Schriften des Sanskrit bekannt, wo sie Arya heißen, eine Selbstbezeichnung der alten indo-iranischen sprachlich-ethnischen Gemeinschaft. Die Bedeutung des Wortes verweist wohl auf eine Selbstüberhöhung (svw. wie “edel, adlig”). Die Rassenideologen des 19. Jhs. angefangen mit Gobineau, haben daraus ihre Theorie der arischen Rasse entwickelt (vgl. Wikipedia), die wesentlich weiter geht als die linguistische Definition der Indoeuropäer und zu der bekannten Irrlehre der Nazis geführt hat. Während die Wissenschaftler einen zentralasiatischen Ursprung der Indoeuropäer annahmen, konnten die Rassenideologen und v.a. die NS-Ideologen dies so nicht akzeptieren, sondern lokalisierten den Ursprung der “Arier” in Nordeuropa und wiesen damit die Germanen als die ursprünglichsten Indoeuropäer oder “Arier” aus. Dies hielt das “SS-Ahnenerbe” jedoch nicht davon ab, in Tibet nach arischen Spuren und verwandtschaftlichen Beziehungen zu suchen, sind die Tibeter besondern doch für den Gebrauchs der Swastika, des Hakenkreuzes, als Sonnensymbol bekannt.

Heute tendiert die Forschung dazu, den Ursprung am östlichen Rand des geographischen Europa zu lokalisieren, in der südrussischen Steppe, im Osten begrenzt vom Ural, im Süden vom Kaukasus (Haarmann, S. 20f.). Dabei tragen moderne humangenetische Forschungen dazu bei, den Bogen zu alten Rassentheorie zu schlagen, auch wenn Forscher wie Cavalli-Sforza dies natürlich von sich weisen.

Diese Aspekte sollen hier jedoch nicht weiter verfolgt werden. Auch wenn die sich nach der Verzweigung eigenständig entwickelnden indoeuropäischen Sprachen auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, z.B. Französisch und Russisch, so treten die Gemeinsamkeit deutlicher vor Augen, wenn man sie mit ganz anderen Sprachen vergleicht. Nicht-indoeuropäische Sprachen sind z.B. Ungarisch und Finnisch, beide Völker sind selbst in späterer Zeit eingewandert, die Ungarn (Madyaren) im Mittelalter (10. Jh.). Ein Volk, das älter ist als alle anderen europäischen Völker und eine von ihrer Grammatik her vollkommen andere Sprache spricht, sind die Basken, sie dürfen als ein Relikt der vorindoeuropäischen Bevölkerung in Europa gelten, sie sind die europäischen Ureinwohner und leben zum größeren Teil in Spanien, zum kleineren in Frankreich, haben also keinen eigenen Staat, allerdings eine inzwischen weit fortgeschrittene politische Autonomie in Spanien.

Die Verbreitung der Indoeuropäer erfolgte in Wellen und erstreckte sich über einen langen Zeitraum, in Griechenland fand sie z. B. wohl in der 2. Hälfte des 3. Jt. v. Chr. statt. Die Eigenbezeichnung als Griechen (“Hellenen”) kam jedoch erst viel später und betraf die Nachkommen nachfolgender Einwanderungen zwischen 1300 und 900 v. Chr. Die Griechen Homers in der Ilias waren noch gar keine Griechen, denn es gab keine gemeinsame Bezeichnung, Odysseus selbst war Achäer, ein Ethnonym für einen der griechischen Stämme, wie wir sagen. Damit wird aber auch die Relativität des Begriffes “Volk” deutlich, denn ganz offensichtlich hatte weder das indoeuropäische Urvolk noch diese hier benannte Abzweigung davon eine klare Vorstellung von sich selbst, d.h. eine ethnokulturelle Identität, diese entstand bei den Griechen erst im 8. Jh. v. Chr. Aus antiken römischen Quellen ist auch bekannt, dass die Germanen und Kelten in diesem Sinne kein “ethnisches” Bewusstsein hatten. Die einzige Gruppe der Indoeuropäer, bei der dies ausgeprägt war, war die bereits erwähnte indoiranische Gruppe mit der Eigenbezeichnung Arya.

Wird fortgesetzt...

Harald Haarmann: Die Indoeuropäer - Herkunft, Sprachen, Kulturen. München (Beck), 2010.
Luigi Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation. München (dtv), 2001.

960px-Indogermaische_Ursprache_3500BC-Ausschnitt

Mögliche Verbreitung um 3500 v. Chr. mit Abspaltung der anatolischen Sprachen (nach der Kurgan-Hypothese)
Jamna-Kultur: eine Kurgankultur, mögliche Sprecher der indogermanischen Ursprache
Cucuteni-Kultur: eine bandkeramische Kultur
Vinča-Kultur: benannt nach dem Fundort Vinča bei Belgrad
Maikop-Kultur: benannt nach der Stadt Maikop in Russland

Karte (Ausschnitt) und Legende: Wikimedia Commons
Indogermanische Ursprache

IE3500BPde

Vermutliche Verteilung der Sprachgruppen um 1500 v. Chr.
(Urnenf. = Urnenfelderkultur). Die Oasenkultur wird von vielen als Träger des Ur-Indoiranischen vermutet.

Karte und Legende: Wikimedia Commons
Indogermanische Ursprache

IE_expansion

Karte der indoeuropäischen Migration von ca. 4000 bis 1000 v. Chr. (Kurgan-Hypothese)
rosa: Urheimat gemäß der Kurgan-Hypothese
dunkelorange: indogermanisch sprechende Völker bis 2500 v. Chr.
hellorange: Besiedlung bis 1000 v. Chr.

Karte und Legende: Wikimedia Commons
Proto-Indoeuropäer

IE1500BPde

Die Situation um 500 n. Chr

Karte und Legende: Wikimedia Commons
Indogermanische Ursprache

>> Migration 2: Die Volkerwanderung (4./5. Jh.)

[Home] [Einstieg] [Aktuelles] [Bildung] [Didaktik] [Praxis] [Themen] [Wissenschaft] [Kolonialismus] [Genozid] [Krieg] [Atom] [Staatsrecht] [Menschenrechte] [Frauen] [Geld] [Städteportraits] [Migration 1] [Epochen] [Weltgeschichte] [Biblio] [Links/Infos] [Impressum]