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Das Osmanische Reich, der nahöstliche Kriegsschauplatz und der Genozid an den Armeniern

Im Aufbau...                                                                                                                                                            Last update: 18.11.2017

Übersicht:

1. 100 Jahre Völkermord an den Armeniern - Aktuelles im Web (2015/16)
2. Der Genozid an den Armeniern - Webseiten zum Thema
3. Bibliographie / Aktuelle Buchveröffentlichungen
4. Angebote für den Unterricht

Dass auch im östlichen Mittelmeer gekämpft wurde, und zwar zwischen den Alliierten Großbritannien und Frankreich auf der einen und der Türkei als deutschem Verbündeten auf der anderen Seite, ist ein wenig beachteter Aspekt des 1. Weltkrieges, dabei aber mit schwerwiegenden Konsequenzen. Ein tragischer Vorgang in diesem politisch komplexen Geschehen war der Massenmord an Armeniern, der zu Recht in die Kategorie des Genozids aufgenommen wurde, ohne das damit eine Gleichstellung mit dem späteren Genozid an den Juden, dem Holocaust, beabsichtigt ist. Ein weiteres einschneidendes historisches Ereignis war die Eroberung Palästinas durch die Briten.

1. 100 Jahre Völkermord an den Armeniern - Aktuelles im Web (2015/16)

“Planvolle Vernichtung eines Volkes erkennen” - Bundespräsident Gauck spricht vom Völkermord an den Armeniern
Seine Rede im Wortlaut bei FAZ.net, Artikel und Video auf Zeit.de

Gedenken an den Völkermord durch den Bundestag - Video auf der BT-Website, sowie weiterführende Links und ein Text zum Thema durch den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Dazu Beiträge in Zeitungen und Online-Medien  mit weiterführenden Analysen: Zeit.de, FAZ.net,

Das Umschwenken der Bundesregierung bzw. der sie tragenden Fraktionen in Bundestag in Sachen Aussprechen des Völkermords ist sehr kurzfristig erfolgt, noch am 15.4.2015 konnte ein Europaabgeordneter anläsaslich der Debatte im EU-Parlament beklagen, dass die Bundesregierung hinter den Erkenntnissen der Historiker zurückbleibt,, die stellvertretende Regierungssprecherin hatte erklärt, dass die Bundesregierung sich aus dieser Sache heraushalten werde: auf EurAktiv mit weiteren Seiten. Zur Entschließung des EU-Parlaments siehe auch auf der Deutschen Welle sowie den Resolutionstext auf der EP-Website.

Die Deutsche Welle hatte eine Sammlung zum Thema Armenier und die Türkei und die Völkermord-Frage zusammengestellt, die leider nicht mehr auffindbar ist (ursprünglich: hier).

Das Bundesarchiv hat Originaldokumente deutscher Offiziere, die mit hochrangigen türkischen Politikern Kontakt hatten, über die Verfolgung, Deportation und Ermordung der Armenier online gestellt. Zur Sprache kommen auch Massaker von vor 1915, es beginnt mit einem Bericht von 1909. Die Dokumente spiegeln auch die Uneinigkeit in der türkischen Führung wider und zeigen die Entwicklung zum Massenmord auf: hier.

Erklärung des türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu zu “zu den osmanischen Armeniern, die beim Zerfall des Osmanischen Reiches um Leben gekommen sind” urspünglch auf der Website des Türkischen Konsultats in Frankfurt, jetzt noch greifbar  bei nachrichten.at, sowie eine Pressemitteilung des Türkischen Außenministeriums (nicht mehr vorhanden) zur Rede von Gauck .

Armenien.de berichtet über das Gedenken zum 100. Jahrestag und bietet Infos zum Thema, darunter eine Analyse türkischer Schulbucher, ebenso die Website der Deutsch-Armenischen Gesellschaft.

Die deutsche Mitverantwortung / Beihilfe...? (wie auch immer...) für den Genozid an den Armeniern hat 1930 bereits der damals in Berlin lebende Armenier thematisiert, sein Buch ist neu aufgelegt worden:

Melkon Krischtschian: Deutschland und die Ausrottung der Armenier in der Türkei: Ein Rückblick, Missionshandlung und Verlag Potsdam 1930, Neuauflage CreateSpace Independent Publishing Platform, 2014.

Jürgen Gottschlich, Beihilfe zum Völkermord, siehe den Eintrag unten in der Bibliographie.

 

2. Der Genozid an den Armeniern - Webseiten zum Thema

Armenier483px-Fastolf_Master_-_Juni_detailZug von Armeniern unter Bewachung osmanischer Soldaten beim Verlassen der Stadt Karphert (türk. Harput) in Ostanatolien, einst gemischt armenisch-kurdisches  Siedlungsgebiet. Aufnahme des US-amerikanischen Roten Kreuzes, erstmals vor 1923 veröffentlicht. Wikimedia Commons

 

 

 

 

Die ausführliche Darstellung des Ereignisses und seiner Umstände inkl. der Vorgeschichte des armenisch-türkischen Konflikts im 19. Jh. mit Verweisen auf eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur auf Wikipedia sowie zu den politischen Kontroversen der letzten Jahre um die öffentliche Anerkennung und Verurteilung des Genozids um die  kann hier als Einstieg empfohlen werden.

Übersichtliche Darstellungen zum Einstieg liefern auch die Deutsche Welle und Die Zeit (2005).

Ein großes Angebot von Dokumenten aus deutschen und britischen Archiven zum Völkermord an den Armeniern inklusive dessen Vorgeschichte bieten Wolfgang und Sigrid Gust auf ihrer Website Armenocide.net
Wolfgang Gust hat seit 1993 zahlreiche Veröffentlichungen zur Thematik und ihrem politisch-historischen Kontext herausgebracht. Auf der Website gibt es auch eine Gegenüberstellung von manipulierten und nicht manipulierten Dokumenten dieses politisch so brisanten Themas.
Mit dem Film Aghet - Ein Völkermord von Erich Friedler hat der NDR eine hervorragende und vermutlich die bislang beste Dokumentation des Genozids an den Armeniern produziert, Erstausstrahlung in der ARD am 9.4.2010, zuletzt ausgestrahlt auf Arte am 20.4.2011 (zum Film siehe NDR). Nicht nur das Wie sondern auch das Warum wird eindrucksvoll beleuchtet, darunter auch die Seite derjenigen, die den Opfer halfen, wie auch die Seite der Deutschen, die dies noch im Nachhinein zu vertuschen halfen.  So bekam der Film sicher zu Recht den Grimme-Preis 2010 und in den USA den Armin T. Wegner Humanitarian Award..
Echos in der ZEIT, im Spiegel und in der  FAZ mit einer Bildsammlung auf FAZ-Net.
Siehe auch dazu den Eintrag auf Wikipedia.
Aus der Fülle der Dokumente sei hier auf den Bericht von Wilhelm Litten aus der Endphase der Deportationen in die Wüste verwiesen, Febuar 1916. W. Litten ist einer der Hauptaugenzeugen des Geschehens vor Ort. Er war deutscher Konsul in Täbris, Persien, bis 1915, als er kriegsbedingt nach Bagdad (im Osmanischen Reich) abgeordnet wurde.

Das Lepsiushaus Potsdam, Bibliothek und Archiv von Johannes Lepsius (evangelischer Theologie, Orientalist und Zeitzeuge der Massaker an den Armeniern) und wissenschaftliches Diskussionsforum, hat zahlreiche der dort gehaltenden Vorträge. Außerdem weitere Links zu einschlägigen Websites.

Eine englischsprachige Website zum Thema, auf die u.a. auch von Wikipedia (s.o.) verwiesen wird, ist armenian-genocide.org, ins Netz gestellt vom Armenian National Institute in Washington. Hier gibt es Foto- und Textmaerial sowie eine Karte, die die komplexe Organisation der Deportationen veranschaulicht, außerdem der Urteilsspruch (Todesurteil) des türkischen Militärgerichts im Juli 1919 für die drei politischen Hauptverantwortlichen für den Genozid: Talaat Pascha, ehem. Innenminister und Großwesir (svw. Premierminister), Enver Effendi (auch Enver Pascha genannt), ehem. Kriegsminister, Djemal Effendi, ehem. Marineminister (Cemal Pascha) und Dr. Nazim Bey,  ehem. Erziehungsminister. Alle Angeklagten hatten sich zuvor dem Prozess durch Flucht nach Deutschland entziehen können. Zur Bedeutung des Prozesses siehe den Vortrag von Rolf Hosfeld, “Ein Völkermordprozess wider Willen” im Lepsiushaus Potsdam (s.o.).
Bei den Fotos handelt es sich u.a. um Aufnahmen von Armin T. Wegner, einem anderen Hauptzeitzeugen, die mit Erlaubnis des Wallstein-Verlages auf die Webseite gestellt wurden.

Von Armin T. Wegner erschien 2011 im Wallstein-Verlag auch der Vortrag, den Wegner unmittelbar nach Kriegsende zur Bekanntmachung des Verbrechens gehalten und dabei auch seine aus der Türkei geschmuggelten Fotos gezeigt hat. Eine Besprechung des Buches gibt es auf D-Radio.de, eine beträchtliche Auswahl der Fotos auf der o.g. Seite von Amenian Genocide. Zur Biografie Wegners siehe auch bei der Wegner-Gesellschaft.

Digitalisiert: Downloads von Büchern aus dem Ersten Weltkrieg oder kurz danach, von archive.org, zusammengestellt auf der Seite zum Ersten Weltkrieg von wordpress.com: hier.  Zu wordpress.com siehe auch weiter oben.

Die Auseinandersetzung um die Frage der Anerkennung des Genozids an den Armeniern ist z.T. auf der Website der Arbeitsgruppe Anerkennung e.V. - gegen Genozid, für Völkerverständigung (AGA), u.a. mit Beiträgen ihrer Vorsitzenden Tessa Hofmann, dokumentiert. Außerdem bietet die Seite zahlreich Bild- und Textdokumente, so eine Sammlung deutscher Aktenstücke: hier.

 

3. Bibliographie / Aktuelle Buchveröffentlichungen:

Jürgen Gottschlich: Beihilfe zum Völkermord: Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier, Berlin (Chr. Links), 2015.

Rolf Hosfeld: Tod in der Wüste. Der Völkermord an den Armeniern,München (C.H. Beck), 2015.

Michael Hesemann: Völkermord an den Armeniern, München (Herbig), 2015.

Tessa Hofmann (Hg.): Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922, Münster (Lit), 2004ff. (Neuauflagen des Buches bis heute).

Eine umfassende Bibliographie deutsch- und englischsprachiger Veröffentlichungen gibt es auf der Website der Deutsch-Armenischen Gesellschaft

 

4. Angebote für den Unterricht

Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) Sachsen-Anhalt:
Dialog 28: Genozid als Thema schulischen Unterrichts - Handreichungen. Halle (Saale) 2015, Beiträge von Franz Kircher u.a., Preis: 5.-

Christopher G. Brandt: Der Völkermord an den Armeniern. Bausteine für eine Unterrichtsreihe. Materialien, Lepsiushaus Potsdam, 2015, Bestellung kostenfrei.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein Dossier Aghet - Genozid an den Armeniern online herausgegeben.
Darunter gibt es auch den Beitrag von Martin Stupperich (Geschichtslehrerverband Niedersachsen): Der Völkermord an den Armeniern im Schulunterricht. Stupperich setzte in gewisser Weise den Startschuss für das Thema Armeniergenozid im Unterricht durch einen Workshop 2012. Daraus gibt es didaktisch-methodische Handreichungen für den Umgang mit dem Thema im Unterricht online.

Keine direkte Zusammenstellung für den Unterricht, sondern ein umfangreiches Online-Archiv mit Dokumenten aus deutschen, britischen und dänischen Archiven nicht nur zum Genozid 1915/16, herausgegeben von Wolfgang und Sigrid Gust, sowie anderen  bietet in chronologischer Ordnung die bereits oben erwähnte Website armenocide.net. Der erfasste Zeitraum geht von 1909 bis 1928 und umfasst die Vor- und Nachgeschichte, die innenpolitische Entwicklung sowie den Kontext des 1. Weltkrieges. So wird z.B. auch das Massaker an Christen in der Region Adana 1909 einbezogen. Eine fachliche Einleitung in jede Dokumentenreihe erleichtert die Orientierung und das Verständnis.

 

 

 

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