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  • Weltgeschichte

Indien und Europa

 

Auf einer angeschlossenen Seite:

Indien und Europa – eine interkulturelle Beziehung seit mehr als 2000 Jahren.
Themen und curriculare Anknüpfungspunkte (>hier)

Vortrag / Präsentation am auf dem Historikertag 2016 in Hamburg

 

Auf dieser Seite:

Rückblick 70 Jahre nach der Unabhängigkeit

Links und Infos (gleich im Anschluss)

Der Stern von Indien - Ein Blick in die Geschichte ausgehend vom Film
mit Zeitleiste zur Unabhängigkeitsbewegung in Indien (direkt zur Zeitleiste)

Materialien für die Thematisierung Indiens im Unterricht (direkt dorthin)

 


Links und Infos

Vor 100 Jahren: Unabhängigkeit, Teilung, Bürgerkrieg / Aktuelles

Der Stern von Indien (Viceroys House), Kjnofilm (Die Welt, taz) der indischen Regisseurin Gurinder Chadha (Wikipedia), kam zum 70. Jahrestag der Teilung am 14. August in die Kinos. Eine künstlerische Bearbeitung dieses hochbrisanten historischen Stoffes muss zwangsläufig Kritik hervorrufen, Schuldzuweisungen zwischen Hindus und Moslems, zwischen Indien und Großbritannien. War die Teilung der letzte Akt imperialistischer Herrschaft, nach dem Ende des impera noch ein divide, oder durch den ethnisch-religiösen Konflikt in Britisch-Indien schon vorprogrammiert?

Einen guten Eindruck von der Komplexität des Themas vermittelt die Kontroverse zwischen der Kritikerin Fatima Bhutto, aus der pakistanischen Politikerfamilie Bhutto stammend, und der Regisseurin im Guardian. Der Film fügt noch ein weiteren diskussionswürdigen Aspekt hinzu, nämlich ob Teilung und Grenzziehung zwischen Indien und Pakistan entscheidend so von Lord Mountbatten, dem letzten Vizekönig, vollzogen wurde oder, so die These des Films, zuvor schon von Winston Churchill - Kolonialminister, bevor er Premierminister wurde - vorbereitet war. Der Guardian kommentiert dies eindeutig: “The Viceroy’s House version of India’s Partition brings fake history to screen.” Oder noch polemischer die Daily Mail: “The Viceroy with blood on his hands: BBC-backed film whitewashes India's last British ruler Lord Mountbatten - and instead blames Churchill for one million deaths after independence.” Weitere Schlagzeilen: “British-Punjabi film blames Churchill for Partition” in der Tribune (India); “The Tragedy of India’s Partition, 7 Years Later” in Bloomberg View;

 

Der Stern von Indien und die historische Realität - hier gleich im Anschluss.

Auf Arte gibt es eine Themenwoche anlässlich des Unabhängikgeitsjubiläums ab dem 13. August. Am 14.8. wird der Film Reise nach Indien (A passage to India)(Wikipedia, Der Spiegel 17/1985, Die Zeit 26.4.1985) gezeigt, die Verfilmung des gleichnamigen Romans A Passage to India  von E. M. Forster (1924, dt. Indien, 1932, Auf der Suche nach Indien, 1980, Wikipedia) von David Lean (1984). >Indien: 70 Jahre Unabhängigkeit Arte

Deutsche Presse und Medien:

Zeitzeugen berichten: Die Teilung der ehemaligen Kolonie Britisch-Indien >faz-net

Unabhängigkeits Indiens und Pakistans vor 70 Jahren >Deutsche Welle

Pakistans Staatsgründung vor 70 Jahren: Teilung bis heute nicht überwunden. >SWR Audio

Zeit Online News und Infos zu Indien

 

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Der Stern von Indien (Viceroy’s House)
Ein Blick in die Geschichte ausgehend vom Film

Der Film zeigt die Geschehnisse konzentriert auf die kurze Amtszeit Lord Mountbattens, der zur Vorbereitung der Unabhängigkeit Indiens als letzter Vizekönig (Viceroy, 21.2.-15.8.1947) in die britische Kronkolonie entsandt wurde. Sein Amtssitz in Delhi, der Gouverneurspalast, stellt filmisch sicher gelungen einen Mikrokosmos der sich überstürzenden Entwicklung dar – von daher auch der englische Titel: Viceroy’s House –, gegenüber der historischen Realität ist das aber auch das Problem: Im Film kommt Mountbatten ganz ahnungslos an und wird damit konfrontiert, dass die Indian Muslim-League unter deren Führer Muhammad Ali Jinnah eine Teilung Britisch-Indiens und Gründung eines Staates Pakistan wollte und der Indian National Congress unter Gandhi und Nehru dies kategorisch ablehnte. Erst spät wird Mountbatten dann noch von seinem höchsten Beamten der geheime Teilungsplan Churchills aus der Zeit des 2. Weltkrieges  offenbart. Waren alle Würfel schon gefallen und Mountbatten nur eine Marionette im macchiavellistischen Erbe Churchills? In Wirklichkeit stand eine Teilung schon längst auf der Tagesordnung und konnte keine Überraschung mehr sein. Allerdings ging es noch um die Modalitäten.

Die Absicht des Films ist ganz explizit die Rehabilitierung Mountbattens, der zu Unrecht als Urheber des ”Mountbatten-Plans“ unrühmlich in die Geschichte eingegangen ist, und diese Absicht ist als solche durchaus legitim, denn Mountbatten war tatsächlich Getriebener, nicht Antreiber der Geschehnisse – mit Ausnahme der Beschleunigung des Prozesses durch Verkürzung der Frist zur Machtübergabe (und damit auch der Teilung), mag man einwenden. Doch selbst dies entschied er nicht aus freien Stücken, sondern angesichts der Tatsache, dass die wenigen in Indien verbliebenen britischen Soldaten den eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Moslems und Hindus, die bereits im Vorfeld zu Massakern führten, nicht mehr Einhalt gebieten konnten. Übrigens dieselbe Situation wie zur selben Zeit in Palästina. Dies bringt der Film gut herüber. Der Plan wurde zwischen Mountbatten und den indischen Führern am Morgen des 3. Juni in einer streng geheimen Sitzung verhandelt, aber durch ein leak bereits am Nachmittag im Rundfunk in Delhi und London gemeldet, wie Mountbattens Tochter, damals 18 Jahre alt, in ihrem Tagebuch festhielt.[1] Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Mountbatten nicht mehr Herr des Geschehens, wenn er es denn bis dahin gewesen wäre. Als Mountbatten gezwungen war, am Abend desselben Tages eine Presseerklärung abzugeben, waren wesentliche Elemente des Unabhänigkeitsplans noch gar nicht geklärt, zum Beispiel der Status der Fürstenstaaten, ganz abgesehen von der Teilungslinie. Lediglich das Prinzip zweier Staaten als Dominions war festgelegt.

Dann wird im Film die These aufgestellt, Churchill habe im 2. Weltkrieg dem Wunsch der Muslim-Liga nach Aufteilung Indiens entsprochen – dabei allerdings Jinnahs Vorstellung von der Ausdehnung Pakistan auf die Hälfte reduziert, wie sich Jinnah später im Film beschwert –, weil er, Churchill, in dem links orientierten Nationalkongress – und, kann man hinzufügen, und vor allem unter dem Sozialisten Nehru als zukünftigem Premierminister – einen potenziellen Verbündeten der Sowjetunion sah und in einem unabhängigen islamischen Pakistan einen Garanten dagegen, dass sich die Sowjets im Hafen von Karachi strategisch in der Nähe des Persischen Golfes einquartierten. Eine Strategie, die sich durchaus mit der Vorstellungswelt und Weitsicht Churchills decken würde, aber stimmt sie auch?

 

Indien im 2. Weltkrieg

Während des 2. Weltkriegs kamen sich Churchill und Jinnah durchaus näher, das ist bekannt, schon weil die Muslim-Liga dem Aufruf der Briten nach aktiver Beteiligung der Inder am Kampf gegen die Achsenmächte entgegengekommen ist. Der Kongress erklärte der britischen Regierung im Oktober 1939, eine Beteiligung am Kampf für die Demokratie könne es nur nach einer Demokratisierung in Indien selbst geben. Die Briten versuchten daraufhin, die Liga und die indischen Fürsten gegen den Kongress auszuspielen, indem sie den Kongress als eine reine Hindu-Partei charakterisierten. Die Spaltungstendenzen verschärften sich.  Ende 1940 schrieb Gandhi dem damaligen Vizekönig Linlithgow, dass die große Mehrheit der Inder an der Beteiligung am Krieg nicht interessiert sei: “They make no distinction between Nazism and the double autocracy that rules India.” Ende 1941, nach Beginn der japanischen Expansion in Südostasien, stellte der Kongress seine mögliche Zusammenarbeit mit den Briten im Krieg in Aussicht, “if Britain agreed to give full independence after the War and the substance of power immediately.”[2] Eine Übergabe der “Substanz der Macht” mitten im Krieg war aber für die britische Regierung unmöglich: Abgesehen vom daraus sofort resultierenden Chaos um die konkrete Ausgestaltung dieser Machtübergabe - der Konflikt zwischen Muslimen und Hindus wäre sofort ausgebrochen, so wie dann 1947 -. hätten sich die Briten auch für die weitere Kriegsführung von einer indischen Führung abhängig gemacht, deren Haltung letztlich unklar blieb.

So verschärfte sich aber auch die Situation weiter. 1942 startete Gandhi die Quit-India-Propaganda gegen die Briten , weswegen er, Nehru und die ganze Kongress-Führung ins Gefängnis kamen. Aus Sicht der Briten arbeiteten die Nationalisten des Kongress zumindest objektiv den Japanern in die Hände, die inzwischen in Burma vor den Toren Indiens standen. Sicher offerierte Jinnah seine Loyalität im Krieg aus taktischen Gründen, im Sinne eines do ut des gegenüber den Briten, d.h. in Erwartung ihres Entgegenkommens gegenüber seinem Plan für ein unabhängiges Pakistan.

Beide, Liga und Kongress, zogen aus der kritischen Lage der Briten ganz entgegengesetzte Schlüsse: Der Kongress meinte, deren Schwäche sei jetzt der Moment für die Verstärkung der Konfrontation. Jinnah, Vorsitzender der Muslim-Liga seit 1936, kalkulierte genau andersherum. Die Briten machten den Kongress auch für Sabotageakte verantwortlich [3],  zu Unrecht, wenn man die Verantwortung im engeren Sinne meint: Gandhi, Nehru und die anderen Kongressführer riefen nicht zu Sabotageakten auf, aber die Ablehnung einer Beteiligung an den Kriegsanstrengungen und die Quit-India-Kampagne hatte scher ihren Anteil daran, viele Inder vor Ort zu spontanen Sabotageakten zu motivieren.[4] Es entstand sogar eine bewaffnete Untergrundbewegung, an der Kongressmitglieder beteiligt waren, und die zumindest lokal  organisierte Sabotageakte verübten, z.T. die Sprengung von Brücken, was wiederum massive Repressionen durch die Briten auslöste.[5] 

Ein emotionaler Impuls kam jedoch sicher von der Kriegsrealität, wie sie sich in Indien niederschlug, z.B. dass die Briten viele Landsleute aus Malaya evakuieren konnten, während 100.000 indische Soldaten in japanische Kriegsgefangenschaft gerieten. Oder die Tatsache, dass die Briten im Sommer 1943 nichts gegen die Hungerkatastrophe in Bengalen taten, die hauptsächlich Kalkutta traf, weil sie alles der Priorität der Kriegsführung unterwarfen. Hilfeleistungen, die auch von den USA möglich gewesen wären, seien von Churchill u.a. mit dem Hinweis darauf, alle Schiffe würden für die Kriegsführung gebraucht, ausgeschlagen worden. Hierfür wurden in der Tat in einer Recherche vor einigen Jahre viele Indizien gesammelt, doch inwiefern es wirklich um absichtliches Handeln oder eine Fehleinschätzung Churchills ging, sei hier dahingestellt.[6] Jedenfalls erzeugte der Krieg mit seinen Begleiterscheinungen eine außerhalb Indiens heute kaum wahrgenommene Katastrophe, denn der Hungersnot fielen weit mehr Inder zum Opfer, ca. 3 Millionen,  als später in den Gewaltexzessen vor und nach der Unabhängigkeit und Teilung. Die Katastrophe erzeugte in Bengalen sogar eine projapanische Stimmung [7], verschärfte aber auch den innerindischen Konflikt, indem radikale Hindus und Moslems sich gegenseitig die Schuld daran vorwarfen, sei es, egoistisch nur an sich selbst zu denken, sei es durch das pure Mismanagement der Regionalregierung.[8]

Die Rechnung der Achse und vor allem der Japaner, dass ein indischer Widerstand gegen die Briten ihnen helfen würde, ging zwar nicht auf, obwohl nationalistische Hindus und Muslime sogar zu den Achsenmächten überliefen, darunter eine hohe Führungspersönlichkeit des Kongress, Subhas Chandra Bose, der bis dahin als Ziehsohn Gandhis galt und die Indian National Army gründete.[9] Doch das tiefgreifende Zerwürfnis zwischen Congress und britischer Regierung hatte bleibende Auswirkungen auf den weiteren Gang der indischen Geschichte, denn der Übergang zwischen den Gemäßigten und den Militanten der Unabhängigkeitsbewegung wurde immer fließender und ebenso der zwischen Letzteren und den Sympathisanten Japans oder Deutschlands, während sich Jinnah in dieser Frage eindeutiger weil loyal zu den Briten verhielt, auch wenn die Liga nicht alle Muslime repräsentierte. “But to Gandhi the pacifist, all wars were anathema, and to Nehru the socialist, this particular war between rival imperialisms should never have involved India.”[10] 1944 unternahm der Congress dann nochmal eine Kehrtwende und wollte seine Unterstützung nochmals gegen die Zusicherung der zukünftigen Unabhängigkeit Indiens anbieten – zu spät freilich, 1944 war der Krieg fast schon entschieden.

Political_Divisions_of_the_Indian_Empire,_1909

Ein Geheimplan Churchills?

Im Film wird ein Geheimplan des britischen Kriegskabinetts aus der Schublade gezogen, der schon vor Kriegsende den genauen Grenzverlauf zwischen Indien und Pakistan enthielt. Ob dies so war, müsste eine akribische Archivforschung entscheiden, vorausgesetzt, diese Unterlagen existieren noch und sind zugänglich. Doch selbst wenn: Tatsächlich gab es in den Jahren vor der Unabhängigkeit unzählige mehr oder weniger ausgearbeitete Pläne für die Zukunft Indiens, die fast alle im Papierkorb gelandet sind. Churchill könnte einen Plan ausgearbeitet haben um Jinnah zufriedenzustellen – obwohl Jinnah ja im Film damit gar nicht zufrieden war. Dass er das Doppelte des später erhaltenen gefordert habe, erscheint jedoch übertrieben, es sei denn, es sei eine Anspielung auf die demographischen Fakten, wo Pakistan letztlich nur etwas mehr als die Hälfte der muslimischen Bevölkerung auf seinem Territorium (inkl. Ostpakistan) erfasste. Aber daraus konnte keine territoriale Forderung entwickelt werden, da die Muslime eben in den anderen Regionen in der Minderheit waren. Es gibt auch keine offizielle Forderung Jinnahs in dieser Richtung. Dass er ursprünglich mehr wollte, als er bekam, stimmt gleichwohl, aber auch er stimmte der Teilung Panjabs und Bengalens, denn darum ging es vor allem, zu.

Doch Churchill hatte die vollständige Unabhängigkeit Indiens gar nicht im Sinn. Den Konservativen schwebte eine Quasi-Unabhängigkeit vor, die den Briten noch vertraglich bestimmte strategische Rechte zusicherte. So etwas wurde z.B. in Ägypten 1946 realisiert, dort mit dem Faustpfand des Suezkanals. Für Indien sah Churchill noch 1947 eine Bindung an Großbritannien durch den Dominion-Status garantiert (was eine Fehleinschätzung war) und schrieb entsprechend an Premierminister Attlee, das entsprechende Gesetz dürfe nicht “Unabhängigkeitsgesetz” heißen sondern “Dominion-Gesetz für Indien”. [11] Hinsichtlich der Frage der inneren Beschaffenheit verfolgte die Regierung unter Mountbattens Vorgänger in Indien, Lord Wavell, die Strategie einer Autonomie der beiden communities, Hindus und Moslems, in einem föderalen Indien. So fanden 1946 Wahlen in den Provinzen statt, das letzte Stadium der britisch-indischen Doppelherrschaft (Dyarchie), wo Hindus und Moslems in getrennten Wählerlisten (electorates) noch einmal ihre Abgeordneten wählen durften und dadurch ein Minderheitenstatus für die Muslime verfestigt wurde. Dies auf eine übergeordnete föderale Ebene zu übertragen mit größtmöglicher Autonomie für die Provinzen war zuvor der Plan der konservativen Regierung in London und wurde zunächst auch von der Labour-Regierung unter Attlee weiterverfolgt [12], wenn Labour auch weit stärker für die Unabhängigkeit Indiens eintrat als die Konservativen. Für die Verhandlungen spielten die noch autonomen Fürstenstaaten eine Rolle, die rückblickend oft zu gering eingeschätzt wurde, denn aus britischer Sicht sollten sie als Faktor berücksichtigt werden. In Indien fand dieser Plan einer lockeren Förderation auch die Zustimmung Jinnahs (vermutlich aber nicht der gesamten Muslim-Liga), stieß aber auf Ablehnung beim Kongress, der die getrennten electorates ablehnte. Hier wurde eine Chance der Verständigung verspielt; ob sie eine realistische Chance für eine friedliche Lösung geboten hätte, werden wir nie wissen.

Die Teilung stand schon seit 1933 im Raum, als sie zum ersten Mal von der Muslim-Liga gefordert wurde, vielleicht zuerst nur als Drohung, Jinnah war, wie gesagt, für eine großzügige föderale Lösung offen bis zum Schluss. Allerdings konnte dies auch Taktik gewesen sein, da er sich der Ablehnung durch den Kongress sicher sein konnte. So zeichnete sich die Teilung immer mehr ab, wie klar wurde, dass die Forderungen der Liga nach einem besonderen Minderheitenstatus für die Muslime in Indien vom Kongress rigoros mit dem Argument abgelehnt wurden, der Kongress spreche für alle Inder und ein repräsentatives System für ganz Indien ließe alle Inder zu ihrem Recht kommen. Angesichts des von den Briten übernommenen Mehrheitswahlrechts musste die Muslim-Liga zu Recht fürchten, dass ihre community, die ein Drittel der Bevölkerung umfasstein einem Nationalparlament weit unterrepräsentiert sein würde. Wie der spätere Teilungsplan ja offenbarte, betrafen die Regionen, in denen die Muslime in der Mehrheit waren, ungefähr die Hälfte aller indischen Muslime, die andere Hälfte verteilte sich als Minderheit über die von Hindus dominierten Regionen. Rechnerisch hätte die Liga daher nur auf die Hälfte von einem Drittel der Parlamentssitze spekulieren können. War ein Minderheitenschutz also legitim? Im Film spitzt Gandhi seine ganz andere Vorstellung zur Aussage zu: “Hindus und Moslems in Indien sind zwei Brüder mit einer Seele.“ Dem war aber leider nicht so, oder nicht mehr jedenfalls, denn nach Kriegsende war die emotionale und mentale Spaltung in kulturell-religiöse Gemeinschaften tief in die Bevölkerung eingedrungen.[13] Bei den Provinzwahlen mit den getrennten Elektoraten stimmten fast alle Hindus für den Kongress und fast alle Muslime für die Liga, die dadurch einen enormen Aufschwung bekam und konkurrierende Parteien ausschalten konnte.[14]

All diejenigen, die ebenso emotional empört auf die Schuldzuweisung an Churchill reagieren, wie diejenigen, die sie aufstellen, sollten es jedoch wissen: Solche Überlegungen wären Churchill durchaus angemessen gewesen. Mit der anglo-sowjetischen Besetzung des Iran im Sommer 1941 zur Sicherung der iranischen Ölquellen und des Landes ingesamt angesichts der Einbeziehung des Nahen Ostens in das Kriegsgeschehen sowie zur Herstellung einer Nachschubverbindung über Land für Großbritannien und die USA zur Sowjetunion, hatten die Briten sich den südlichen Teil gesichert, die Sowjets den nördlichen. 1945 weigerte sich dann Stalin zunächst, seine Besatzungszone wieder zu räumen, was zum ersten Konflikt des entstehenden Kalten Krieges wurde. Doch hatte Churchill diesen macchiavellistischen Plan zur Teilung Indiens entworfen?

Indian_provincial_elections1946

Wahlen zu den Legislative Councils in den Provinzen 1946. Vorstufe zur Unabhängigkeit, die Gouverneure jeder Provinz behielten ein Vetorecht.

Die Wahlen erfolgten nach einem System getrennter Wählerlisten (Muslime / Hindus u.a.) nach britischem Mehrheitswahlrecht. Die Fürstenstaaten blieben noch autonom, d.h. dort fanden keine Wahlen statt.

Wikimedia Commons

Was die Archive und Zeitzeugen verraten...

Die Regisseurin Gurinder Chadha habe sich für ihren Film von dem Buch Freedom at Midnight von Larry Collins und Dominque Lapierre von 1975 inspirieren lassen und ihre These von der Schuld Churchills an der Teilung aus dem Buch The Shadow ot the Great Game von Narendra Singh Sarila von 2006 übernommen, so der interessante Hinweis von Ashis Ray in der indischen Tribune. Singh Sarila verteilt jedoch die Verantwortung für die Teilung sehr ungleich auf Vizekönig Wavell (1943-47) und Premierminister Churchill (bis 1945), nämlich vor allem auf ersteren, und platziert die Entscheidung in die Endphase des Krieges 1945. Wavells gute Beziehungen zu Jinnah und der Muslim-Liga waren auch die Folge einer langen Vertrauensbasis der Briten zu den indischen Moslems, v.a. aus dem Pandjab, die, wie auch andere Autoren hervorheben, stets das Rückgrat der britisch-indischen Armee gebildet hatten und in beiden Weltkriegen auf verschiedenen Kriegsschauplätzen gekämpft hatten bzw. dies zu jenem Zeitpunkt noch taten. Um eine militärische Basis nach der Unabhängigkeit zu behalten, müssten sich die Briten mit Jinnah arrangierten, so Wavells Überlegung, zumal die Sowjets ihren Einfluss nach Süden ausdehnen wollten. Der strategisch wichtige Nordwesten, die Grenze zu Afghanistan, und der Hafen von Karachi blieben so gesichert durch eine weitere britische Präsenz in Pakistan.

Churchill war jedoch noch nicht für eine weitgehende oder gar vollständige Unabhängigkeit der Noch-Kronkolonie zu gewinnen. Der Indien-Beauftragte der Vereinigten Staaten, die erheblichen Druck auf Großbritannien ausübten, nach Kriegsende die Dekolonisierung einzuleiten, meldete noch im November 1944, Churchill sei nicht gewillt, die Atlantik-Charta auf Indien anzuwenden. Aus dem Tagebuch Wavells geht hervor, dass er meinte, am 29.3.1945 Churchill zumindest von der grundsätzlichen Idee einer Teilung unter Berücksichtigung der Fürstenstaaten als eigenem Faktor überzeugt zu haben.[15]  (Dies alles noch in einer lockeren Konföderation zusammengehalten, wohlgemerkt.) Darauf stützt sich Singh Sarila in seiner Darstelllung, beschränkt aber auch Churchills Part in dieser Geschichte darauf, Wavell den Eindruck vermittelt zu haben, dass er auf dem richtigen Weg sei. Was Churchill jedoch wirklich dachte, bleibt unklar, und was er dazu dezidiert äußerte, bestätigt dies nicht unbedingt. Die im Film genannten strategischen Argumente spiegeln jedenfalls dezidiert Wavells Überlegungen wider. Äußerst zweifelhaft bleibt, ob und wer so früh bereits die spätere Teilungslinie festgelegt haben sollte. Aus Wavells Tagebuch geht nichts dergleichen hervor. Die ganze Passage der Einträge von April und Mai 1945 dokumentiert Wavells Unzufriedenheit damit, dass im India Committee und von Seiten der Regierung wochenlang keine Entscheidung getroffen wurde, und das war auch nicht verwunderlich, denn in jenen Wochen war Churchill mit anderem beschäftigt, nämlich mit der Neuwahl des Unterhauses, für die er sich entschieden hatte. Man erfährt jedoch aus Wavells Aufzeichnungen auch die erstaunliche Tatsache, wie wenig der Vizekönig im politischen Protokoll Londons galt: Er durfte weder den offiziellen Bericht des India Committee an die Regierung lesen, wo es um seine Vorschläge ging, und zunächst auch nicht an der Kabinettssitzung teilnehmen, wo es um eine Entscheidung darüber ging. Wavell erfuhr davon nur durch Leo Amery, Staatssekretär für Indien, und Außenminister Eden. Erst nach weiteren Überlegungen Churchills, der sich dann entschied, eine Sondersitzung des Kabinetts dazu einzuberufen, wurde Wavell persönlich hinzugezogen. Dort sprach sich Churchill zunächst heftig gegen Wavells Pläne einer weitgehenden Selbstständigkeit Indiens aus, gab die Angelegenheit jedoch an das India Committee ab. In einer weiteren Kabinettssitzung zeigte sich Churchill dann auf einmal positiv gestimmt und so konnte Wavell gerade noch rechtzeitig vor seiner Rückreise einen entsprechenden Auftrag mit nach Indien nehmen.[16] Insgesamt wird klar, dass Churchill die Indien-Angelegenheit zunehmend entglitt und dies sowie seine wechselhafte Stimmung mit der bevorstehenden Unterhauswahl und vielleicht einer Vorahnung von deren Ausgang zu erklären ist. Im August 1945, bereits nicht mehr im Amt, bat Churchill Wavell noch fast flehentlich: “Keep a bit of India.”[17]

Trotzdem warfen die getroffenen Entscheidungen mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Alle Beteiligten waren sich einig darin, dass Indien aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen “im Empire” bleiben aber trotzdem so viel Selbstständigkeit wie möglich bekommen sollte - wie dies gelöst werden sollte, blieb jedoch unklar. Wavells Vorstellungen waren nur ein formeller Rahmen ohne Inhalt und bislang ohne Einbeziehung der Betroffenen. Zurück in Indien, berief Wavell für den 25.6. eine Allparteienkonferenz in Simla ein, die für die Übergangszeit über die Wahl eines Executive Council mit weitergehenden Rechten für die Inder als bisher entscheiden sollte und in dem Wavell eine quotierte Vertretung verschiedener Bevölkerungsgruppen vorsah. Extra für die Konferenz wurde die Kongress-Führung um Nehru aus dem Gefängnis entlassen, eine Situation, die per se schon nicht sehr vielversprechend für einen Erfolg war. Liga und Kongress einigten sich denn auch nicht über die  Zusammensetzung des  Council, auch, weil die Liga einen Alleinvertretungsanspruch für die Muslime erhob, den sie bei früheren Wahlen noch gar nicht errungen hatte. Doch die anschließenden Regionalwahlen im Winter 1945/46 sollten diesen Anspruch eindrucksvoll bestätigen. Alles drehte sich wohlgemerkt jedoch nur um die britischen Territorien in Indien, die indischen Fürstenstaaten blieben von all den Diskussionen noch ausgenommen.

Die politische Entwicklung seit November 1945 bestärkte Wavell in seiner Überzeugung, nur eine Teilung könne die strategischen Interessen Großbritanniens wahren, und entsprechend beriet er nun die Regierung Attlee. Attlee war mit dem Indien-Thema gut vertraut, Labour war 1940 in Churchills Kriegskabinett eingetreten, Attlee war darin Vizepremier und schon zuvor hatte er als Parlamentarier Ausschüssen zu Indien angehört. Eine trotz des Scheiterns der Simla-Konferenz von Wavell berufene provisorische Regierung aus beiden Parteien blieb arbeitsunfähig, in Südostasien begann ein militärischer Aufstand gegen den Versuch der Wiederherstellung der Kolonialregime (Indochina, Indonesien), ähnliches drohe in Indien, warnte Wavell, wenn die Briten nicht schnell genug abzögen, es drohe gar eine internationale “Asien-den-Asiaten”-Bewegung [18] und im Übrigen hatten die Briten im Nahen Osten dieselben Probleme in Palästina. Reste der Indian National Army, die im Krieg auf Seiten Japans gegen die Briten begkämpft hatte, bereiteten einen bewaffneten Aufstand vor, Meutereien brachen in der britisch-indischen Flotte sowie in der Polizei aus.

So klar der Teilungsgedanke erschien, so unklar waren seine Konturen, bis die Trennung in zwei Staaten wirklich erfolgte. Für de Muslime war “Pakistan” bis zum Schluss eher ein ideeller Begriff  für die Gemeinschaft der muslimischen Inder, gewiss mit regionalen Schwerpunkten, aber kein klar umrissener territorialer Begriff.[19]

Muslim_percent_1909 Hindu_percent_1909

Statistik nach der Volkszählung 1941

 

1. Territorium

2. Territorium

3. Territorium

Summe 1-3

%

 

späteres Indien

späteres West-Pakistan

späteres Ost-Pakistan

 

 

Muslime

42.645.000

22.293.000

29.509.000

94.447.000

32,00

Indische Religionen

269.119.000

5.568.000

12.437.000

287.124.000

68,00

Aus dem Summary aus: A.P.Joshi, M.D.Srinivas and J.K.Bajaj, Religious Demography of India, Centre for Policy Studies, Chennai, 2003. Center for Policy Studies

Mit den Statistiken wird auch in seriösen, aber nichtsdestotrotz oft parteiischen Analysen und Darstellungen Politik gemacht. Sehr häufig findet man den Hinweis, der Anteil der Moslems habe nur ein Viertel betragen, dies könnte sich allenfalls, wenn es denn so gemeint ist, auf das britisch verwaltete Territorium beziehen. Die Gesamtstatistik von 1941 weist jedoch eindeutig knapp ein Drittel aus. Das Dilemma zeigt sich in der Durchmischung weiter Gebiete mit muslimischer Minderheit.

Perspekive und Schuldfrage

Der Film drückt bringt sicher eine indische Perspektive auf dieses Kapitel der Geschichte zum Ausdruck. Es ist klar, dass mit dem Wunsch nach Teilung aus indischer Sicht auch eine Schuld an deren Konsequenzen verbunden ist. Das Besondere an der Story des Films ist, dass die Schuld zwischen der Muslim-Liga und der alten Kolonialmacht geteilt und letztlich hauptsächlich Churchill zugeschrieben wird durch seinen angeblichen Geheimplan, ein letztes divide et impera. Dass, wie Jinnah im Film sagt, Pakistan dabei schlecht weggekommen sei und nur die Hälfte bekommen habe , ist eine besondere Spitze gegen die Moslems.

Die Spaltung zwischen Moslems und Hindus zeigt sich im Film auch in der tragischen Liebesbeziehung der beiden indischen Helden des Films, beide Bedienstete im Palast: der Hindu Jeet Kumar und die Muslimin Aalia Noor, beide aus Panjab (Punjab), dem multikulturellen Herz Indiens, das durch die Teilung zerrisen wird. Der Abgrenzungswille seitens der Muslime wird im Film umso stärker angeklagt , als der Hindu Jeet, der die Muslimin Aalia liebt, ihrem Vater dort früher im Gefängnis geholfen hatte, der im Gefängnis er erblindete Vater aber eine Ehe mit einem muslimischen Mann arrangiert hat und Aalia sich ihrem Schicksal ergibt. Als sie aus Delhi mit dem Flüchtlingszug in ihre Heimat, das neue Pakistan, zurückkehren, wird dieser überfallen und alle Reisenden getötet, mit Ausnahme Aalias, die gerettet wird und durch Zufall Jeet wiedertrifft. Bei dem Happy End für die beiden vor tragischem Hintergrund wird dem Zuschauer kaum klar, dass der Überfall auf den Zug dann logischerweise von Hindus verübt worden sein muss, während alle anderen zuvor im Film erwähnen Massaker von Muslimen an Hindus in Panjab und Bengalen verübt worden waren.

 

Text © W. Geiger,  Stand: 3.9.2017

Wird ergänzt...

 

Literatur:

Bipan Chandra / Mridula Mukherjee / Aditya Mukherjee / Sucheta Mahajan / K. N. Panikkar: India’s Struggle for Independence 1857-1947, Gurgaon (Penguin India), 1989..., 2016.

Larry Collins / Dominique Lapierre: Freedom at Midnight, New York (Simon & Schuster) 1975, 2008.

John Keay: India. A History: From the Earliest Civilisations to the Boon of the Twenty-first Century, London (Harper & Collins), 22010.

Yasmin Khan: The Great Partition. The Making of India and Pakistan, Yale Univ. Press, 22008.

Hermann Kulke / Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute, München (C. H. Beck), 1998, 2006.

Pamela Mountbatten: India Remembered. A Personal Account of the Mountbattens During the Transfer of Power, Foreword by India Hicks, London (Pavillon Books), 2007.

Madhusree Mukerjee: Churchill’s Secret War. The British Empire and the Ravaging of India during World War II, New York (Basic Books), 2010.

Narendra Singh Sarila: The Shadow of the Great Game. The Untold Story of India’s Partition, London (Constable), 2006.

[Archibald] Wavell, The Viceroy’s Journal, edited by Penderel Moon, London (Oxford University Press), 1977.

 

Zeitleiste zur Unabhängigkeitsbewegung in Indien

1857

"Sepoy-Aufstand" der britisch-indischen Soldaten; von indischen Historikern als Beginn der Unabhängigkeitsbewegung gewertet.

1858

Übernahme der Verwaltung Britisch-Indiens von der Ostindienkompanie durch die Krone

1877

Königin Victoria nimmt den Titel "Kaiserin von Indien" an.

1880

Britische Niederlage im afghanischen Krieg.

1885

Gründung des indischen Nationalkongresses in Bombay.

1906

Gründung der Muslim-Liga in Dhakka (Bengalen).

1907

Erste von mehreren Spaltungen des Nationalkongresses zwischen einer Mehrheit von Gemäßigten (unter Gokhale) und einer Minderheit von Radikalen (unter Tilak).

1909

Verfassungsreform: Erste politische Mitsprache für Inder durch Wahlen zu legislative coucils, aber in getrennten Wählerschaften (electorates) für Moslems und Hindus (+ andere).

1919

Mahatma Gandhis erste Satyagraha*-Kampagne in Indien (*"Festhalten an der Wahrheit" = Freiheitskampf).

1920-22

Parallele Widerstandsaktionen von Gandhi und der Muslim-Liga.

1928-30

Simon-Kommission zur Ausarbeitung einer indischen Selbstverwaltung unter britischer Oberhoheit. Dagegen Nehru-Report (Motilal Nehru, Vater von Jawaharlal Nehru, Congress) auf der einen, die 14 Punkte Muhammad Ali Jinnahs (Muslim-Liga) auf der anderen Seite.

1930

Nächste Etappe der Aktionen Gandhis: Der "Salzmarsch", ziviler Ungehorsam.

1931-32

Abkommen zwischen dem Congress (Gandhi) und den Briten zum Wahlrecht für die existierenden repräsentativen Konsultationsgremien (reservierte Sitze für die Unberührbaren).

1932-33

Wiederaufnahme der Kampagne des zivilen Ungehorsams.

1935-37

Verfassungsreform: Government of India Act. Verbesserung der Mitbestimmung ohne Selbstbestimmung. Wahlen zu den Provinzlandtagen. In 7 Provinzen stellt der Congress die Regierungen.

1939

Ausbruch des 2. Weltkrieges, Rücktritt der vom Comgress geführten Provinzialregierungen aus Verweigerung an der Beteiligung am Krieg.

1940

Zwei-Nationen-Theorie im "Pakistan-" oder "Lahore-Programm" der Muslim-Liga.

1942

Mission des Labour-Politikers Cripps in Indien mit einem Angebot der Unabhängigkeit nach dem Krieg, das dem Congress nicht weit genug ging (Unklarheiten über die innere Verfassung des unabhängigen Indien und seinen Status als Dominion). Der Congress radikalisiert seine Ablehnung der Zusammenarbeit im Krieg mit der Quit-India-Propaganda Gandhis. Die Muslim-Liga bleibt erklärt sich dagegen loyal zur britischen Kriegsführung. Sabotageaktionen und andere Widerstandsaktionen aus dem Volk spitzen die Lage zu.

1944-45

Versöhnungsversuche zwischen Congress und Liga scheitern an der Forderung Jinnahs nach angemessener Repräsentanz der muslimischen Minderheit, einer faktischen Teilung des Landes.

1946

Im August Ernennung Nehrus zum Premierminister einer Interimsregierung. Die Spannungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen führen erstmalig zu Massakern.

1947

Amtsantritt des letzten Vizekönigs Lord Mountbatten am 21.2. Die Verhandlungen über die Zukunft Indiens ergeben keinen Konsens und laufen somit auf eine Teilung hinaus. Dieser Mountbatten-Plan wird am 3.6. bekannt. Angesichts der zunehmenden und von den Briten nicht zu verhindernden Gewalttätigkeiten in der Bevölkerung beschleunigt Mountbatten den Prozess der Machtübergabe, die am 15.8. erfolgt. Zwei Tage darauf wird die Trennungslinie, u.a. mit der Teilung der Provinzen Punjab und Bengalen, bekannt gegeben.

1947-49

Die gewalttätigen Konfrontationen weiten sich zu einem faktischen Bürgerkrieg aus,  in dem ca. 1 Million Menschen ums Leben kommen und ca. 10 Millionen Hindus aus Pakistan und Moslems aus Indien vertrieben werden oder flüchten. Der erste indisch-pakistanische Krieg um Kaschmir von Okt. 1947 bis Jan. 1949 endet mit der Teilung Kaschmirs an der Waffenstillstandslinie.


Der Palast des Vizekönigs in Delhi, heute Amtssitz des indischen Staatspräsidenten (Rashtrapati Bhawan). 1912-29 erbaut.

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Text © W. Geiger 
Stand: 3.9.2017

Der deutsche Titel des Films spielt auf einen speziellen Orden des britischen Empire an: The Star of India, der im Film anfangs beim Ankleiden Mountbattens kurz gezeigt wird.
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Vollständige bibliographische Angaben zu den Zitaten weiter unten.

[1] Pamela Mountbatten: India Remembered, S. 103.

 

 

 

 

 

 

[2] Chandra et al.: India’s Struggle for Independence, S. 449 und (1. Zitat) S. 453, (nach Gandhi, Collected Works, Vol. 73, S. 72), (2. Zitat) S. 454..

[3] I can never entirely rid my mind of the recollections that in 1942 at almost the most critical period of the war in India, when I was endeavouring as Commander-in-Chief to secure India with very inadequate resources against Japanese invasion, the supporters of the Congress [Party] made a deliberate effort to paralyse my communications to the eastern front by widespread sabotage and rioting.
Wavell, The Viceroy’s Journal, S. 494.

[4] People devised a variety of ways of expressing their anger. In some places, huge crowds attacked police stations, postd offices, kutcheries (courts), railway stations and other symbols of Government authority. [...] Crowds of villagers, often numbering a few hundreds or even a couple of thousand, physically removed railway tracks. Elsewhere, small groups of individuals blew up bridges and removed tracks, and cut telephone and telegraph wires.
Chandra et al., op. cit., S. 461.

[5] a.a.O., S. 462.

[6] Madhusree Mukerjee: Churchill’s Secret War, dort  v.a. chap. 5: “Death of a thousand cuts”, chap. 6: “An occupied and starving country”, chap. 7: “Run rabbit run”.

[7] On 25 September 1943, Merrell informed Hull that there was a pro-Japan feeling in Bengal because it was hoped the Japanese would bring Burmese rice to relieve the acute famine and also that there was distrust of America because of close Anglo–US collaboration.
Narendra Singh Sarila: The Shadow of the Great GameS. 129.

[8] Cf. John Keay: India. A History, S. 438.

[9] Cf. Subhas Chandra Bose, Vertreter des linken Flügels des Nationalkongresses und 1939 kurzfristig dessen umstrittener Präsident. Vgl. >India National Army

[10] Keay, op. cit., S. 433.

 

Administrative Struktur British-Indiens

Rot: direkte britische Verwaltung

Gelb: autonome Fürstenstaaten, darunter muslimische Herrscher (M)

Kaschmir:
Hinduistische Herrscher, 77% Muslime

Hyderabad:
Muslimische Dynastie, Hauptstadt muslimisch, Staat 88% Hindus

The Imperial Gazetteer of India (Oxford University Press, 1909

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[11] The only reason why I gave support to plans agreed with Mountbatten is because they’d establish Dominion status. Dominion status is not the same as Independence, although it may lead to independence. It’s not true that a community is independent when its Ministers have in fact taken the Oath of Allegiance to the King.
Aus einem Brief Churchills an Attlee, 1.7.1947, >Churchill Archive fpr Schools

[12] Ein prägnante Darstellung gibt Lucy Chester: The 1947 Partition. Drawing the Indo-Pakistani Boundary, in: American Diplomacy, 15.2.200.

[13] Cf. Yasmin Khan: The Great Partition, S. 28.

[14] Der kühne Alleinvertre- tungs anspruch [für die Muslime], der der Realität vorauseilte, setzte sich an den Wahlurnen in ein erstaunlich gutes Resultat für die Liag um. Das, was Jinnah erwartet hatte, als er zehn Jahre zuvor [von London] mach Indien zurück- gekehrt war, trat nun erst ein. Die separaten Wählerschaften wirkten sich in vollem Umfang zugunsten der Liga aus.
Kulke / Rothermund: Geschichte Indiens, S. 380f.

Anglo-Sowjetische Invasion im Iran >Wikipedia

>Freedom at Midnight

“British-Punjabi film blames Churchill for Partition”, Tribune (India), 13.2.2017

[15] Insges. cf. Singh Sarila, op. cit.,  S. 136-151; Unterredung mit Churchill cf. S. 120.

 

 

 

 

 

 

 

[16] Wavell, The Viceroy’s Journal, 31.5., 135f. Vgl. die ganze Passage “The First Visit to London”, 23.3.-31.5.1945, S. 118-136.

[17] Zit. nach Sarila Sing, op. cit., S. 149.

>Simla-Conference

[18] Die Kongresspartei sah sich in der Tat als Initiator einer “Asien-den-Asiaten”-Bewegung und Vorreiter für die endgültige Befreiung von euro- amerikanischem Einfluss und Nehru organisierte 1946 eine internationale Konferenz mit Vertretern jener neu oder noch nicht unabhängigen Staaten in Delhi.

[19] For many of these Leaguers, Pakistan became much more than the sum of its parts or the territorial outline of a nation state: it meant personal identification with a cause which was increasingly expressed in black and white terms. Crucially, though, anti-Congress feeling and heartfelt support for Jinnah and the League did not necessarily translate into support for Pakistan as we know it today with its current borders and boundaries. The Lahore Resolution, passed at the annual Muslim League meeting on 23 March 1940 and identified by Pakistanis as the foundation stone for their state, is not much of a guide. It pinpointed the Muslim desire for a more loosely federated state structure, calling for a collection of independent states with autonomy and sovereignty.
Yasmin Khan: The Great Partition, S. 44.

Karte der Religionen nach dem Imperial Gazeteer von 1909.
Verteilung der muslimischen Bevölkerung (grün) sowie der Hindus (inkl. Sikhs u.a.).
Wikipedia

Muslim_percent_1909-legend
Hindu_percent_1909-legend

Materialien für die Thematisierung Indiens im Unterricht:

Dietmar Rothermund: Der Freiheitskampf Indiens. Quellen- und Arbeitshefte für den Geschichtsunterricht, Stuttgart (Klett), 1960.

Geschichte lernen: Indien (Nr. 56/1997).

Edwardes, M.: Illustrierte Geschichte Indiens von den Anfngen bis zur Gegenwart. Droemer/Knaur, München / Zürich 1961 (mit ausgewhlten Textquellen bis 1878).

Dossier Indien. Bundeszentrale fr politische Bildung.

Kulke, H. / Rothermund, D.: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Beck, München 1998 (darin v. a. S. 303-343).

Dalrymple, W.: Delhi 1857: Ein Lehrstück. In: Le Monde diplomatique (deutsch), 10.8.2007; online unter: LMD.

Kulke, T.: Anmerkungen zu Willian Dalrymples „The Last Mughal“ (Rezensionsessay); online unter: Sehepunkte. (zeichnet den Sepoy-Aufstand nach (zwei Seiten im Web)).

The Indian Mutiny (adapted from an article by Michael Edwardes); online unter: The British Empire.

India During the Raj: Eyewitness Accounts. Diaries and Related Records Held at the British Library, London, Part 1-2; online (vgl. auch auerdem: Publisher’s Note zu Part 2; online unter: hier).

Geschichte lernen: Indien (Nr. 56/1997); hier u. a.: Mann, M.: Gandhi als Mahatma, S. 30-34, Horst, U.: Gandhigram – Dorfentwicklung nach Gandhi, S. 63-66.

Dharampal-Frick, G. / Ludwig, M.: Die Kolonialisierung Indiens und der Weg in die Unabhängigkeit, in: Der Bürger im Staat, 59 (2009), Nr. 3-4. pp. 148-156; online Uni Heidelberg.

Orignaldokumente in englischer Sprache, z.T. auch als Faksimilés:
The Road to Partition 1939-1947 Eine didaktische Quellensammlung der britischen Nationalarchivs

 

 

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